Neubrandenburg – die Stadt der vier Tore

Neubrandenburg ist die Stadt der vier Tore mit bezaubernden Wiekhäusern. Die im Jahr 1248 gegründete Stadt erhielt innerhalb eines fast runden Grundrisses ein rechtwinkliges Straßenraster, das noch heute dafür sorgt, dass man sich kaum verlaufen kann. Während des 18. Und 19. Jahrhunderts lag her das kulturelle und ökonomische Zentrum des Herzogtums Mecklenburg-Strelitz. So galt Neubrandenburg vor dem Krieg als Rothenburg des Nordens. Die fast vollständige Zerstörung wurde zwar durch den weitgehenden Wiederaufbau des historischen Stadtkerns wettgemacht, doch schieben sich neue gesichtslose Viertel ins Zentrum, die das Bild verderben. Mit Trabantenstädten, Hochschulen und viel Industrie ist Neubrandenburg heute Mittelpunkt Ostmecklenburgs und drittgrößte Stadt von Mecklenburg-Vorpommern.

Die Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt sind bei einem Spaziergang entlang der fast vollständig erhaltenen, an manchen Stellen noch sieben Meter hohen mittelalterlichen Stadtmauer zu entdecken, unweigerlich trifft man dabei auf die vier grandiosen Toranlagen (14./15. Jh.) – Friedländer, Neues, Stargarder und Treptower Tor. Diese stolzen Zeugen schönster norddeutscher Backsteingotik – eher Zier als Wehr – haben mit Ausnahme des Neuen Tors jeweils ein Innentor und ein Vortor, wobei jedes unterschiedlich mit Giebeln, Terrakottafiguren, filigranem Maßwerk, Türmchen und Blendbogen dekoriert ist. Im Treptower Tor logiert das Neubrandenburger Regionalmuseum mit seiner frühgeschichtlichen Abteilung. Zauberhaft wirken die Wiekhäuser (ehemalige Wehrhäuser), gepflegte Fachwerkerker, die im Abstand von 30 m wie Schwalbennester in der Stadtmauer hängen.

Wie in Stavenhagen erinnert auch in Neubrandenburg vieles an Fritz Reuter, der hier im Jahr 1856 „Einlieger“ wurde, wie er es nannte, und sich als freier Schriftsteller einen Namen machte, bevor er 1863 nach Eisenach umzog. Das Reuter-Wohnhaus lag in der Stargarder Straße 35. In der Gaststätte Fürstenkeller nebenan verbrachte Fritz Reuter viele feuchtfröhliche Stunden. Der Mudder-Schulten-Brunnen in den Wallanlagen am nördlichen Ende der Stargarder Straße spielt auf eine Szene aus Fritz Reuters Werk „Dörchläuchting“ an, das gegen Ende des 18. Jahrhunderts spielt: Beide Arme in die Hüften gestemmt, präsentiert die dralle Bäckersfrau Mudder Schulten ihrem Landesvater Großherzog Adolf Friedrich IV. die Rechnung, da dieser ihr das Geld für jahrelange Brötchenlieferungen schuldet. „Impertinentes Frauensmensch!“ soll dieser laut Brunneninschrift verblüfft geantwortet haben, „rep hei un stödd ehr die Reknung ut de Hand“. Auf dem Platz gegenüber thront der Dichter als Denkmal, verschmitzt auf den Betrachter herablächelnd, Stift und Papier gezückt, als wolle er gleich losschreiben.
Weithin sichtbar ist der markante Turm der gotischen Marienkirche, die im Juli 2001 als Konzertkirche Neubrandenburg in Betrieb genommen wurde. Seit der Zerstörung der Kirche 1945 standen nur noch die Außenmauern. Mit seinem prächtigen Maßwerk erinnert ihr Ostgiebel an die Westfassade des Straßburger Münsters. Nun ist das innen moderne und außen historische Bauwerk Heimstatt der Neubrandenburger Philharmoniker. In der nahen Pfaffenstraße 22 wurde ein barockes Fachwerkhaus mit einem modernen Glasanbau zum Schauspielhaus vereinigt, in dem das Neubrandenburger Kammertheater seine Stücke aufführt.

In der Großen Wollweberstraße, die mit wunderschönen alten Fachwerktraufenhäusern bestückt ist, zeigt die Kunstsammlung Neubrandenburg städtisches Kunsteigentum und internationale zeitgenössische Kunst.

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